Morgenpost vom 17.05.
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Morgenpost vom 17.05.

Heute in der Morgenpost: Ein Kompostfund könnte bisherige Plastik-Recyclingverfahren revolutionieren, Vorarlbergs Schmetterlinge verschwinden und Deutschland stuft Atomenergie nicht als nachhaltig ein.

Auf Komposthaufen entdecktes Enzym recycelt Pet-Kunststoff in Rekordzeit

Viele leichte Verpackungsarten sind aus Polyethylenterephthalat. Bekannter ist der Kunststoff unter der Bezeichnung Pet. Seine Haltbarkeit, für die Nahrungsmittelindustrie ein Segen, ist für die Umwelt ein gewaltiger Fluch. Um den schädlichen Kunststoff nachhaltig loszuwerden, wird in verschiedene Richtungen geforscht. Nun haben Wissenschaftler:innen von der Universität Leipzig ein neues hocheffizientes Enzym entdeckt, das Pet in bisher unerreichter Geschwindigkeit abbaut.

Das Enzym PHL7, das das Team um Christian Sonnendecker auf einem Leipziger Laubkomposthaufen fand, könnte biologisches Pet-Recycling erheblich beschleunigen. PHL7 baut Polyethylenterephthalat doppelt so schnell ab wie der bisherige Spitzenreiter bei der Pet-Zersetzung: Innerhalb von 16 Stunden zersetzte PHL7 90 Prozent des verabreichten "Pet-Futters". In der gleichen Zeit schaffte LCC gerade einmal 45 Prozent. Eine Kunststoffschale, in der im Supermarkt zum Beispiel Weintrauben verkauft werden, ließ sich mit PHL7 in weniger als 24 Stunden zersetzen. Den ganzen Beitrag gibt es auf derstandard.at zu lesen.

Immer mehr Schmetterlingsarten in Vorarlberg vom Aussterben bedroht

Das Vorarlberger Naturkundemuseum inatura stellte am Montag eine Aktualisierung der Roten Liste von 2001 vor. 162 Arten gelten inzwischen als ausgestorben oder verschollen, allein 30 davon verschwanden in den vergangenen 20 Jahren. 530 Schmetterlingsarten werden in Vorarlberg laut dem Bericht kurz- oder langfristig völlig verschwinden. Vereinzelte Wiederentdeckungen, wie etwa jene des "Landkärtchens", sind nur ein schwacher Trost angesichts der großen Zahl an Verlusten.

Die Ursachen sind meist menschengemacht. Das Verschwinden der Arten hänge oft mit landschaftlichen Veränderungen und dem damit verbundenen Verlust des Lebensraums zusammen. Der Bericht nennt Überbauung, flussbauliche Maßnahmen, intensive Landwirtschaft und extensiv genutzte Gärten als Beispiele. Zur Flächensicherung für Schmetterlinge forderten die Expert:innen unter anderem weitgehenden Düngemittelverzicht, den Erhalt von Feucht- und Magerwiesen sowie "Inseln" mit Totholz. (APA)

Deutschland stellt sich gegen grünes EU-Label für Atomkraft

Deutschland wird sich wie angekündigt gegen ein von der EU-Kommission vorgeschlagenes Nachhaltigkeitslabel für Atomkraft aussprechen. Die Bundesregierung habe der französischen Ratspräsidentschaft erklärt, ein Veto gegen den entsprechenden ergänzenden Rechtsakt einzulegen, teilte das Finanzministerium auf Anfrage der dpa in der Nacht zu Samstag mit. Der Europaabgeordnete Rasmus Andresen reagierte erfreut auf die Nachricht aus Berlin. "Das deutsche Nein ist eine Ohrfeige für die EU-Kommission. Der Druck auf Ursula von der Leyen, diesen Irrweg zu beenden, steigt", sagte der Sprecher der Grünen-Delegation. Auch Österreich ist strikt dagegen, dass Atomkraft als nachhaltig eingestuft wird.

Bei der sogenannten Taxonomie geht es um ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Investitionen. Die Einstufung von bestimmten Geldanlagen als nachhaltig soll Investoren anlocken, um die Energiewende voranzubringen. Bislang sind unter anderem erneuerbare Energien in der Taxonomie als klimafreundlich eingestuft. Die EU-Kommission hatte Ende 2021 trotz breiter Kritik zudem vorgeschlagen, Investitionen in Gas und Atomkraft übergangsweise als nachhaltige Geldanlagen einzustufen. Im Juli soll das EU-Parlament über seine Position zum Vorschlag abstimmen. (APA)